Lock-Station bauen

Lock-Station Version 1 (Mai 2026)

Beim Bau einer Lock-Station sind der Kreativität (fast) keine Grenzen gesetzt. Jeder freudige Bastler kann sich nach Belieben austoben – solange das Ergebnis am Ende stimmt. Lediglich der Python-Code, welcher auf dem Raspberry Pi und insbesondere beim Upload der Events sollte nicht herumgedoktert werden, um die Funktion der Webseite nicht für alle zu beeinflussen.

Damit ein leichter Einstieg gelingt, möchte ich hier mal „meine“ Lock-Station als Vorlage vorstellen.

Bild muss noch aktualisiert werden!!!

Sie besteht aus:

  • Einer Getränkekiste (etwas erhöht und für mehr Stabilität)
  • Einer Holzplatte, grün angesprüht (Farbton: RAL 6018 als Greenscreen Hintergrund und Witterungsschutz)
  • 3 Winkel als Abstandshalter
  • Einem weißen Lampenschirm (Regenschutz und Lichtdurchlässig)
  • Einen 3D gedruckten Deckel
  • Ein Kompass zum Ausrichten nach Norden
  • Eine Flasche für die Loch-Flüssigkeit mit einem Stück Stoff als Docht, die von unten mit einem Gummi durch ein Loch in der Holzplatte nach oben gedrückt wird.

Materialkosten: ~ 20€

Im technischen Bereich verwende ich folgende Komponenten:

  • Raspberry Pi 5 (4 GB RAM, 8 GB MicroSD card)
  • Pi Camera Module 3
  • USB-C Netzteil
  • Selbst erstelltes 3D-Druck Case mit Lüftungslöchern

Materialkosten: ~ 120€

Hierbei sollte die Kamera möglichst in der Mitte über der Lockflüssigkeit platziert werden, damit eine gute 360° Abdeckung erzielt wird. Je genauer dabei gearbeitet wird, desto besser werden die erzielten Ergebnisse sein. Mit dem Kompass wird am Ende das komplette Gehäuse nach Norden ausgerichtet.

Außerdem muss unbedingt darauf geachtet werden, dass alle Strom-Komponenten vor Wetter und Wasser geschützt sind und dennoch nicht überhitzen können! Die äußeren Umstände lassen sich zu diesem Zeitpunkt generell nur schwer abschätzen. Die Lockflüssigkeit darf nicht zu schnell verdampfen und keine Falle für Insekten wird.

Raspberry Pi Setup

Das Herzstück der Station ist der Raspberry Pi, welcher Bewegungen erkennt und Frames der Kamera auf Hornissen analysiert und bei positivem Befund in eine Datenbank zur Visualisierung auf dieser Webseite hochlädt. Dafür benötigt er Strom und eine WLAN-Verbindung, was mögliche Standorte deutlich eingrenzt. Für die Installation wird auf die Github Projekt Seite verwiesen: https://github.com/KarstenMS/hornet-radar, mit allen Installationsschritten und Erklärungen.

Rezept für Lockflüssigkeit1

  • 0,5 l Weißwein
  • 0,5 l dunkles Bier
  • 0,5 l Fruchtsirup oder 0,5 kg Zucker
  • Lockflüssigkeit ist im Kühlschrank lange haltbar und nicht attraktiv für Bienen


Lock-Station Version 2 (Juni 2026)

Ergebnisse:

Die erste Testphase von einem Monat ist um und wie zu erwarten gab es einigen Verbesserungsbedarf. Es gab bisher keine einzige Sichtung einer asiatischen oder europäischen Hornisse, obwohl durchaus schon welche gesichtet wurden. Es ist noch früh in der Saison, jedoch lassen sich so – logischerweise – keine Nester finden. Der Konfidenz-Schwellenwert der KI VespAI wurde bislang bewusst mit 75 % niedrig gehalten, um überhaupt Events zu generieren. Dies führte jedoch dazu, dass auch Spiegelungen, Wespen und sogar Ameisen als Hornissen klassifiziert wurden.

Anpassungen Hardware:

Zwar wurde sich bei dem ersten Entwurf durchaus Gedanken gemacht, dass die Stationen Wind & Wetter ausgesetzt sind, jedoch sind die Haushalts-Gummis, welche die Flaschen mit der Lockflüssigkeit von unten gegen die Holzplatte drücken, nicht für häufigen Temperaturwechsel gemacht. Bei zwei der vier Stationen sind diese bereits nach 2 Wochen gerissen. Nachdem die Lockflüssigkeit bislang jedoch nur gering verdunstet ist und die erste Füllung vermutlich bis zum Ende der Saison halten wird, wurde nun ein Kabelbinder um den Flaschenhals gelegt, um ein Durchrutschen der Flasche zu verhindern.
Darüber hinaus hat sich gezeigt, dass zwei Stationen von Ameisen entdeckt und belagert werden. Das lässt sich schwer verhindern – die Dochte wurden jedoch nochmal mit einem Knoten etwas verdickt, damit die Ameisen keine Möglichkeit haben in die Flasche zu fallen.

Davon abgesehen, stehen die Stationen noch gut da – Befürchtungen, dass die lackierte Holzplatte verwittert oder Wasser in den Raspberry Pi laufen könnte haben sich bislang nicht bewahrheitet. Auch scheinen die Bierkisten schwer genug zu sein, dass der Wind diese bislang nicht verschieben und damit die Kompassrichtung ändern.

Anpassungen Software:

Bei der Software gibt es mehrere Anpassungen. Da die Stationen häufig etwas weiter von den WLAN-Routern entfernt stehen, ist des Öfteren die Verbindung abgebrochen und konnte erst mit einem Neustart der Raspberry Pi wieder hergestellt werden. Ein neuer Cronjob, der die Raspberry Pi jeden Morgen um 6 Uhr neu startet, behebt dieses Problem zuverlässig.
Darüber hinaus wird der Konfidenz-Schwellenwert der KI VespAI auf 90 % erhöht um Spiegelungen und Wespen zu filtern und eine Mindestgröße für das Tracking implementiert, damit kleine Insekten wie Ameisen keine Events mehr generieren.
Außerdem zeigte sich bei zwei Stationen eine schlechte Qualität der Bilder aufgrund unterschiedlicher Lichtverhältnisse und Flaschenposition. Dies wird durch eine Optimierung beim Autofokus mit einer neuen Variable für den Abstand und der Konvertierung des Farbschema RGB zu BGR korrigiert.
Zusätzlich wurde nochmal an den Detection-Settings geschraubt, um eine hoffentlich zuverlässigere Erkennungsrate zu bekommen.

  1. ↩︎